Die Vereinsgeschichte

Geschichte Schwimmklub Langenthal:

Gründungsjahr bis 1970

Der Schwimmklub Langenthal (SKLA) wurde 1933, also mit Eröffnung des Schwimmbades am Rumiweg 27, gegründet. Zu dieser Zeit trainierten die rund 25 Mitglieder nur während der Sommermonate im noch ungeheizten Wasser. In den Jahren während des 2. Weltkrieges ruhten die Aktivitäten des Schwimmklubs bis zu einem zaghaften Neubeginn 1945. Erste kleinere Wettkämpfe wurden organisiert bis hin zu den Schweizermeisterschaften, welche 1947 und auch 1956 in Langenthal stattfanden. Das damalige Bassin war für Schwimmwettkämpfe jedoch zu lang. Mit der Wendebrücke aus Holz wurde aus dem 75m-Bassin ein 50m-Schwimmbecken. Das Errichten war immer ein besonderes Ereignis.

Viele Meetings folgten, es wurde unter anderem um den Zentrum-Cup geschwommen, einen Wanderpreis vom damaligen Kaufhaus Zentrum gespendet. Prägende Trainernamen der Epoche von 1951 bis 1968 waren Enrico Farronato und Enzo Gugger.

Ära Geiser (1972 bis 1988)

Die „Neuzeit“ des Schwimmsports im Oberaargau wurde 1970 mit der Eröffnung des Schulhallenbades in Aarwangen eingeläutet. Ab sofort konnte sich der Schwimmsport zum Ganzjahressport entwickeln. Heinz Stuker als Präsident und Andreas Geiser als Cheftrainer hauchten dem Verein ab 1972 neues Leben ein. Sie wurden durch Lilly Geiser tatkräftig unterstützt. Bis 1994 das Schwimmbad nach einer Totalrenovation neueröffnet wurde, war Lilly Geiser für unzählige Langenthaler Kinder die erste Schwimmtrainerin und aus ihrer Nachwuchsarbeit entwickelten sich nicht wenige nationale Spitzenschwimmerinnen und Spitzenschwimmer. Mitte der Achtzigerjahre zog sich Andreas Geiser als Cheftrainer & TK-Chef kontinuierlich zurück. Vorübergehend teilten ehemalige Leistungsschwimmerinnen und Leistungsschwimmer wie Christine Wyler, Franziska Kaufmann, Christoph Geiser, Marc Dill und vor allem Patric Pulfer die Aufgaben für den Trainings- und den Vereinsbetrieb unter sich auf.

Dank der unermüdlichen Aufbauarbeit von Andreas Geiser und seinem Umfeld war diesmal ein optimaler Boden für den Leistungssport vorbereitet worden. 1987 schaffte der hier Schreibende Bernhard Bühler als erster Langenthaler Schwimmer seit 1956 die Qualifikation für die Schweizermeisterschaften. Über 100m Brust resultierte in Worb allerdings unter 73 Teilnehmenden nur gerade der 71. Schlussrang. Immerhin war es dem Schreibenden auch vergönnt, 1990 der erste Langenthaler Schwimmer zu sein, welcher die 100m Freistil unter einer Minute zurücklegte (Kurzbahn).

Ära Bühler (1990-2001)

Es war auch der Aufbruch in eine neue Ära: Bernhard Bühler übernahm in der Folge den Posten als Cheftrainer, in den ersten Jahren begleitet durch TK-Chef Andreas Geiser und assistiert durch das Ehepaar Ruth und Beno Tavcar. Ab jetzt folgten zahlreiche Medaillen an Schweizer Nachwuchsmeisterschaften. Sonja Althaus und Tamara Tavcar (beide Jahrgang 1979) schwammen während ihrer Juniorinnenzeit (1990-1995) regelmässig aufs Podest von nationalen Titelkämpfen und nicht selten erzielten die beiden Talente Doppelsiege. Sonja Althaus qualifiziert sich dabei 1993 auch als erste Oberaargauerin für einen internationalen Wettkampf mit der Junioren-Nationalmannschaft des Schweizerischen Schwimmverbandes, dem „Multi-Nations“ in Belgien. Der erste männliche Oberaargauer der die Nationalmannschaftsfarben tragen durfte, war Christoph Bühler. Ihm gelang die Qualifikation für diesen Anlass ein Jahr zuvor.

In diese Zeit fiel auch die Neueröffnung des totalrenovierten Schwimmbades im Sommer 1994. Am letzten August Wochenende wurde die Badi mit einem dreitägigen Fest und zahlreichen Attraktionen eingeweiht. Ein Höhepunkt war dabei sicherlich der erfolgreiche Weltrekordversuch über 1‘000 x 100m Freistil. Der Eintrag im Guinessbuch der Rekorde liess zwar etwas auf sich warten – dieser erschien erst in der Ausgabe von 1997. Auf Seite 246 ist dort für immer festgehalten, dass der Schwimmklub Langenthal die total 100 Kilometer in 21 Stunden, 9 Minuten und 50 Sekunden zurückgelegt hatte.

Am 1. August 1993 erreichte der Schwimmklub Langenthal mit seiner Juniorenstaffel an den Junioren Schweizermeisterschaften Historisches: Über 4 x 100m Freistil schlugen die Langenthaler in der Besetzung Lorenz Liechti, Lukas Hefermehl, Michel Tavcar und Christoph Bühler als Erste an – 1 Hundertstelssekunde vor den nächsten Verfolgern! Einer der siegreichen Schwimmer sprang dabei vor Freude ins Wasser zu Schlussschwimmer Bühler. Und da auf einer Aussenbahn die Societa Nuoto aus Bellinzona noch am Schwimmen war, wurde dieser Freudessprung als Vergehen geahndet: Disqualifikation! Die Heimreise durch den Gotthard war tränenreich und Tina Turner’s Song, welcher an diesen Meisterschaften jeweils beim Einmarsch zur Rangverkündigung gespielt wurde, bekam für die Schwimmerinnen und Schwimmer fortan eine besondere Bedeutung: „Simply the best“... .

Noch im selben Herbst meldete sich dafür das Schweizer Fernsehen mit den Verantwortlichen der damaligen Sportsendung „Time out“. Die Leute vom Leutschenbach haben vom Langenthaler Schwimmpech erfahren und drehten während einem ganzen Samstag im Hallenbad Aarwangen und bei den Schwimmern zu Hause einen Bericht über die unglückliche Aktion und über Sinn und Unsinn dieser Regelung. Das Erlebnis mit den TV-Profis und der schliesslich knapp dreiminütige Bericht im Schweizer Fernsehen entschädigten die Schwimmer wenigstens teilweise – ebenso der im Dezember 1993 durch den Donnerstags-Club an der Sportgala verliehene Pechvogelpreis.

„Simply the best“…

Die Niederlage aus Chiasso machte ab 1994 aus dem SKLA einen der stärksten Schwimmklubs der Schweiz. Regelmässig wurden jetzt auch Medaillen an Schweizermeisterschaften in den Elitekategorien geholt. Den Anfang machte der Huttwiler Lorenz Liechti, welcher am 20. März 1994 über 200m Vierlagen seine erste Medaille an Schweizermeisterschaften in der Elitekategorie erschwamm (Bronze). Am 13. August 1995 folgte ihm Christoph Bühler, welcher über 100m Freistil hinter dem Weltklasseschwimmer Stephane Voléry seine erste nationale Medaille überhaupt gewann (Silber).

Am 10. August 1996 gewann mit Lorenz Liechti der erste Oberaargauer einen nationalen Titel im Schwimmen: Er holte die Goldmedaille über 100m Brust in seinem letzten Rennen für den SKLA. Danach wechselte Liechti zum Branchenprimus und professionell geführten Schwimmclub Uster, gewann dort unzählige Titel in Einzel- und Staffelbewerben und vertrat die Schweiz an zahlreichen Welt- und Europameisterschaften. Die internationale Krönung erreichte er an den Kurzbahn-Europameisterschaften 2003 in Dublin, als er mit der Schweizer Nationalmannschaft als Delphinschwimmer die Bronzemedaille über 4 x 50m Vierlagen gewann.

Ebenfalls 1996 begann die internationale Karriere von Christoph Bühler. Er qualifizierte sich für die Kurzbahneuropameisterschaften vom Dezember 1996 in Rostock. Es folgten 11 Meistertitel in den Crawldisziplinen und als unbestrittener Höhepunkt die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2000 in Sydney. Seinen letzten internationalen Einsatz absolvierte er 2005 an den Kurzbahn-Europameisterschaften in Trieste (Verweis zum Porträt).

Der SK Langenthal war aber Mitte der Neunziger Jahre auch als Team eine nationale Grösse. Sowohl das Herren- wie auch das Damenteam des SKLA waren in der Nationalliga A der Schweiz. Vereinsmeisterschaft vertreten. Ein Podestplatz blieb hier aber verwehrt. Am 20. Dezember 1997 schlug dann die Stunde des Teams: An den Schweizer Staffelmeisterschaften schwammen sich die Langenthaler Herren in jeder Disziplin auf das Podest: 4 Bronzemedaillen sowie ein Vizemeistertitel in den Staffeln bildete den Höhepunkt der starken Equipe in dieser Zeit. Es war aber auch der Zeitpunkt der vielen Rücktritte und beim SKLA begann der Aufbau einer neuen Generation unter neuer Führung.

Ära Tavcar (2001-2015)

Der grösste, je in Langenthal durchgeführte Schwimmwettkampf, ging vom 19.-21. Juli 2002 über die Bühne: Als Organisator der Schweizer Nachwuchsmeisterschaften durfte der Schwimmklub Langenthal über 70 Schwimmvereine aus der ganzen Schweiz und damit fast 1‘000 Schwimmerinnen und Schwimmer empfangen und rund 90 Medaillensätze vergeben.

Betreut wurden die Langenthaler Schwimmerinnen und Schwimmer seit der Jahrtausendwende durch den ehemaligen Spitzenschwimmer Michel Tavcar. Er übernahm im Sommer 2001 die Hauptverantwortung von Bernhard Bühler, welcher in der Folge verschiedene Positionen beim Schweizerischen Schwimmverband belegen durfte. Unter anderem war Bühler von 2001 bis 2006 Direktor bei Swiss Swimming und Teamchef der Schweizer Wassersportler an den olympischen Spielen 2004 in Athen.

Unter Headcoach Michel Tavcar wurde konsequent ein Neuaufbau eingeleitet. Trainingspensen wurden nochmals erhöht, Frühtrainings um 06.00 Uhr eingeführt und Trainingspläne nach professionellen Standards erstellt. Damit der professionelle Trainingsbetrieb auch gewährleistet werden konnte, wurde mit Tavcar auch der erste Profi-Trainer in der Geschichte des SKLA angestellt und mit einem Arbeitsvertrag ausgestattet. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten! Bereits 2002 holte so der damals 14-jährige Christoph Stettler die Bronzemedaille über 100m Rücken. Zahlreiche Nachwuchsschwimmer fanden unter Tavcar den Weg an die nationale Spitze oder konnten gar an internationalen Titelkämpfen für die Schweiz ins Wasser springen.

Der Langenthaler Sven Pfeuti war der erste Oberaargauer Schwimmer überhaupt, welcher an Junioren-Europameisterschaften teilnehmen durfte (2007 in Antwerpen). Ihm folgte die Roggwilerin Veronique Löffler (Budapest 2008). Der Aarwangener Jan-This Aebersold qualifizierte sich 2009 für das EYOF (European Youth Olympic Festival) in Tampere. Aebersold erschwamm in den Jahren 2006 bis 2011 zudem nicht weniger als 20 Meisterschaftsmedaillen, davon 10 Titel und mehrere Schweizerrekorde in den Nachwuchskategorien.

Um diese drei herausragenden Mitglieder bildete sich ein äusserst breit aufgestelltes und starkes Nachwuchsteam, welches insbesondere an Schweizer Nachwuchsmeisterschaften regelmässig Spitzenplätze im Medaillenspiegel belegte. Hervorzuheben ist hier der sensationelle 2. Rang im Medaillenspiegel anlässlich der Nachwuchsmeisterschaften 2007 in Lancy. Am meisten Edelmedall holten die Langenthaler Schwimmequipe drei Jahre später: Nicht weniger als 18 Medaillen gewannen die Gelbblauen an den Meisterschaften des Jahres 2010. Ein Jahr später gewannen die Langenthaler Mädchen in der Besetzung Jessica Jacobs, Sibylle Gränicher, Linda Leuenberger und Zoé da Silva die Bronzemedaille über 4 x 100m Lagen. In dieser Ära erschwammen fast zwanzig Nachwuchsschwimmer des SK Langenthal über 100 Medaillen: 36 Nachwuchstitel, dazu 36 Silber- und 33 Bronzemedaillen!

Die Nachwuchsschwimmer stellten auch in der Elitekategorie eine starke Equipe. So war der Schwimmklub Langenthal während der Zeit unter Cheftrainer Tavcar auch in der Schweizer Vereinsmeisterschaft (SVM) ununterbrochen in der Nationalliga vertreten. Einigen der Nachwuchsschimmer gelang folglich auch der Sprung an die nationale Spitze in der Elitekategorie und damit sogar in internationale Gewässer:

Claudia Bellasi (Herzogenbuchsee) holte sich 9 Meisterschaftsmedaillen und qualifizierte sich für die Universiade 2009 in Belgrad.

Sven Pfeuti (Langenthal) gewann 6 Meisterschaftsmedaillen und startete an den Kurzbahneuropameisterschaften 2011 in Polen und 2013 in Dänemark für die Schweizer Nationalmannschaft.

Sybille Gränicher (Graben) holte nicht weniger als 11 Meistertitel und gesamthaft 28 Meisterschaftsmedaillen für den Schwimmklub Langenthal. Sie wurde für die Kurzbahn-Europameisterschaften 2013 in Dänemark sowie 2015 in Israel aufgeboten.

Bilanz und Aktuelles

In den letzten 50 Jahren wurde der Schwimmsport im Oberaargau durch den Schwimmklub Langenthal geprägt. Dieses halbe Jahrhundert kann wie oben beschrieben in drei Epochen unterteilt werden in denen es den Oberaargauern immer wieder gelang, national oder gar international ein Wörtchen mitzureden.

Mit Claudia Bellasi, Sybille Gränicher, Lorenz Liechti und Christoph Bühler wurden 25 Meistertitel im Schwimmen in den Oberaargau geholt. Zusammen mit Sven Pfeuti, Jan-This Aebersold und Veronique Löffler standen von 1996 bis 2015 regelmässig Oberaargauer Schwimmerinnen und Schwimmer an internationalen Titelkämpfen für die Schweiz im Einsatz. Dabei sind nur die Erfolge gerechnet, welche diese Athletinnen und Athleten mit der Lizenz für den Schwimmklub Langenthal erreicht haben.

(verfasst von Bernhard Bühler, Ehrenmitglied ehemaliger Trainer und langjähriges Vorstandsmitglied SK Langenthal)

Der Schwimmklub Langenthal, welcher seit 2010 durch Christoph Bühler präsidiert wird, hat sich daraufhin entschlossen, sich wieder auf sein Kerngeschäft – solide Nachwuchsarbeit – zu konzentrieren. Natürlich darf man gespannt sein, wann und wie die nächste Welle in der Langenthaler Badi ausgelöst wird!